Filmkritik: Rogue One: A Star Wars Story


© The Walt Disney Company

Story


Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe ungleicher Rebellen rund um die junge Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones), die sich zusammenschließen, um die geheimen Pläne des gefürchteten Todessterns zu stehlen, der gefährlichsten Waffe des Imperiums.

Kritik


Wie übernimmt man als Film die gemeinhin undankbare Aufgabe des Lückenfüllers? Exakt das ist nämlich die Grundprämisse, die "Rogue One" wie ein Damoklesschwert begleitet. Zwischen den Episoden III und IV angesiedelt, ist den Kennern der Geschichte der Ausgang bereits bekannt. Es gilt also, bekanntes so zu erzählen, dass es spannend ist. Und dann gibt es sicher noch Neueinsteiger, die bisher mit Star Wars nichts zu tun hatten. Die dürften allerdings mit einigen Fragen aus dem Kino entlassen werden. Aber fangen wir von vorne an. Also, ganz von vorne.


Jyn und Cassian © The Walt Disney Company
Es wird nämlich recht schnell deutlich, dass wir uns hier nicht in der Hauptgeschichte befinden. Nach dem Lucasfilm Logo folgt der ikonische Satz über eine weit entfernte Galaxie, und dann...
Nichts. Kein Opening Crawl. Keine altbekannte Melodie, die es vermag, den "Star Wars" Zauber in Sekundenbruchteilen heraufzubeschwören. Wir befinden uns in unbekanntem Terrain. Statt John Williams komponiert jetzt Michael Giacchino (ist uns 2016 auch bei Doctor Strange und Zootopia begegnet), und er bringt etwas Eigenständiges mit. Hier und da sind Anleihen an die alten Stücke zu hören. Ansonsten ist der Soundtrack allerdings beinahe schon erschreckend blass. Epische Gefühle kamen jedenfalls bei mir dank der Musik nicht auf.
Treffsicherer Deathtrooper © The Walt Disney Company
Ein weiteres Problem findet sich vermutlich im Drehbuch. "Rogue One" setzt sich in Sachen Dialog größtenteils aus Plattitüden zusammen. Als der erste Trailer auftauchte und Sätze wie "Rebellions are built on hope" oder "save the rebellion, save the dream" den saftig-leckeren Vorgeschmack unterfütterten, ging ich davon aus, dass das fertige Produkt etwas mehr Fleisch am Knochen haben würde. Dem ist über weite Teile nicht so. Dazu kommt eine extrem gehetzte Einführung in die Charaktere, bei der sprunghaft Planeten besucht werden, um die neuen Figuren vorzustellen. Im Verlauf der Geschichte bessert sich die Beziehung der Figuren untereinander, sie wird zumindest bei einigen komplexer und tiefer. Die Dialoge bleiben allerdings teilweise unterirdisch, und nichts in diesem Kinojahr war wohl so uninspirierend wie Jyn Ersos Motivationsrede vor dem letzten Gefecht. Hier wurde eine Menge Potenzial verschenk, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Jones' Reaktion auf ein Hologramm ihres Vaters (überirdisch würdevoll: Mads Mikkelsen) die mit Abstand beste darstellerische Leistung im ganzen Film ist. Es liegt also keinesfalls am mangelnden Talent.
Baze Malbus und Chirrut Îmwe © The Walt Disney Company
Auch die restlichen Darsteller leisten, bis auf wenige Ausnahmen, einen guten Job. Donnie Yen als blinder, an die Macht glaubender Kriegermönch bringt nicht nur ein bisschen Mystik in den Film, sondern schafft es auch mühelos, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Gestohlen wird die Show allerdings von K-2SO, im Original gesprochen von Alan Tudyk. Der hängt schon eine Weile bei Disney fest, so war er unter anderem in "Die Eiskönigin", "Baymax", "Zootopia" und "Moana" zu hören. K-2SO hat überhaupt gar keinen Filter, er sagt was ihm in den Kopf kommt. Das ist nicht immer nett und eine gewisse, pessimistische Ader kann man nicht leugnen, aber er ist hochgradig unterhaltsam. Weniger unterhaltsam sind zwei Figuren, die komplett am PC entstanden sind und zumindest bei mir nur für unwohlige Gänsehaut erster Güteklasse gesorgt haben. Großartig hingegen sind die Auftritte von Darth Vader, der vermutlich noch nie so bedrohlich war wie in diesem Film. Mit Krennic (Ben Mendelsohn) ist diesmal ein lupenreiner Bürokrat als Bösewicht auserkoren worden. Mendelsohn spielt herrlich schleimig und hinterhältig und täuscht so recht effizient darüber hinweg, dass die Motivation seiner Figur ein wenig lasch daherkommt. Völlig für die Tonne hingegen ist Forest Whitakers Auftritt als Saw Guerrera. Was sollte das bitte sein, außer einer Ansammlung an Plattitüden mit Atemgerät?
AT-AT. © The Walt Disney Company
Es hapert also an Dialogen und stellenweise auch am Drehbuch. Doch "Rogue One" macht auch vieles richtig. Die Optik des Films ist herrlich. Sie fügt sich einerseits nahtlos in das bestehende Universum ein. Teilweise sind sogar frühe Konzeptzeichnungen mit eingeflossen, auch gibt es zahlreiche versteckte Hinweise auf andere Ecken des Universums. Problematisch dürfte es für die Zuschauer werden, die den Film in 3D schauen, da einige Szenen von Haus aus schon sehr dunkel gehalten sind. Doch dem stehen so viele atemberaubende Momente gegenüber. Die Demonstration der Macht des Todessterns verschlägt einem den Atem. Die finale Weltraumschlacht dürfte sich ganz fix oben auf der Bestenliste für solche Szenen festsetzen. Und das Bodengefecht vor Strand und Palmen lässt die Bedrohlichkeit der Szenerie für die Bodentruppen spürbar werden.
Director Orson Krennic© The Walt Disney Company
Hier schafft es "Rogue One" dann auch, zu faszinieren. Die Puzzleteile fallen an ihre vorbestimmten Plätze, alles fügt sich zusammen. Das Ergebnis ist ein letztes Filmdrittel, das es in sich hat. Konsequent und packend erzählt und inszeniert bügelt es im Alleingang die vorherigen Schwächen mit purem Druck weg. Die letzten Minuten des Films dürften zum Besten gehören, was die Reihe jemals hervorgebracht hat. Düster und kompromisslos, so dass man sich schon fragen darf, wo diese Stimmung vor allem in der ersten Stunde des Films abgeblieben ist. Zum Ende hin schafft der Film es außerdem, die Schönfärberei zu demontieren. Die Rebellion kommt nicht mehr als weißgewaschene Ansammlung großer Helden daher, es gibt moralische Graustufen, die auch ergründet werden.

Fazit


"Rogue One" hat vor allem zu Beginn seine Schwierigkeiten. Holprige, ans peinliche grenzende Dialoge treffen auf blasse Figuren und unterforderte Darsteller, die zu lange brauchen, um wenigstens ansatzweise zusammenzufinden. Auch das klassische Star Wars Feeling stellt sich nur langsam ein. Zum dritten und finalen Akt hin schafft der Film es dann aber eindrucksvoll, das Ruder herumzureißen. Hier entwickelt sich "Rogue One" zum fatalistischen Kriegsfilm und liefert einige der eindrücklichsten Schlachtszenen der letzten Zeit ab. Zum Meisterwerk macht das den Film nicht, aber ein solider Eintrag ins Star Wars Universum ist er allemal.

Die Blu-ray


Die Blu-ray im Vertrieb von Disney ist in der Schweiz seit dem 20. April 2017 erhältlich, in Deutschland seit dem 4. Mai 2017. Das Amaray Keepcase kommt mit zwei Discs ins Haus. Auf der ersten befindet sich der Film, welcher in der deutschen Tonspur in klangstarkem DTS-HD MA 5.1 aus den Boxen kommt. Wer auf English schaut, der darf sich sogar über bombastisches, raumfüllendes DTS-HD HR 7.1 freuen. Dialoge und Geräusche sind auf beiden Spuren gut ausbalanciert. Eine polnische Tonspur liegt ebenfalls bei, alle drei Sprachen sind auch als Untertitel zuwählbar.
Die zweite Disc ist randvoll mit Extras bepackt. Eine Vielzahl von Featurettes widmet sich allen erdenklichen Aspekten des Films. Die einzelnen Figuren werden näher beleuchtet und vorgestellt. Dabei erfährt man sowohl nützliches als auch vor allem spannendes Hintergrundwissen, welches sich beim erneuten Ansehen des Filmes bezahlt macht. Die Rebellion hat ebenfalls eine eigene Dokumentation, des Weiteren gibt es einen Ausblick in Epilogform. Fans kommen mit dieser Blu-ray voll auf ihre Kosten. Wer lieber zum (wirklich schick gerateten) Steelbook greifen will, kann dies unbedenklich tun, die Extras sind deckungsgleich. Das Steelbook bringt den Film zusätzlich noch in der 3D Variante mit ins Haus.

Infos zum Film


Originaltitel: Rogue One: A Star Wars Story
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Abenteuer, Sci-Fi
FSK: 12
Laufzeit: 134 Minuten
Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: Chris Weitz, Tony Gilroy
Darsteller: Felicity Jones, Diego Luna, Alan Tudyk, Ben Mendelsohn, Riz Ahmed, Forest Whitaker, Mads Mikkelsen, Donnie Yen, Wen Jiang u.a.

Trailer

 

 

Kommentare:

  1. Weißte, ich finde die Kritik deshalb so angenehm, weil es eine der wenigen ist - zumindest unter den bisher von mir gelesenen -, die mal wenig verschwurbelt daherkommen und ohne Umschweife auch Schwächen diagnostizieren, ebenso wie Positives. Klingt erstmal banal, fehlt mir aber heutzutag bei vielen einfach.

    Schöne Kritik. Gerne wieder.
    ...also jetzt nicht die gleiche nochmal, das wäre sinnfrei, aber gerne noch mal eine Kritik wie diese. Die Message kam an? Gut.

    LG,
    Rob
    Kopf & Kino

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    1. Oh, dankeschön :) ich geb mir eigentlich nur Mühe das zu schreiben, was ich auch woanders gern lesen würde.

      Dein Schluss führte bei mir im Kopf aus unerfindlichen Gründen zum Soundtrack von "Sweeney Todd":
      Seems an awful waste
      I mean, with the price of meat
      What it is? When you get it
      If you get it
      Hah
      Good, you got it

      Ja, äh.... jedenfalls, dankeschön :D

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    2. Ah siehste, DAS ist mal ein guter Hinweis: schreiben, was man auch selbst gerne lesen würde. Das kam bisher in meiner Denke gar noch nicht vor. Ich überlege derweil, ob das positiv oder negativ ist, dass Du bei einem Komentar von mir an mörderische Friseur-Hochstapler denkst.

      Jedenfalls, bitteschön ;)

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    3. Das ist absolut positiv, ich liebe Sweeney Todd und nur die Besten schaffen es, dass ich irgendwelche random Sätze damit verbinden kann :)

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