gesehen: Doctor Who — Der Film

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Story


Der Doctor (Sylvester McCoy) soll die sterblichen Überreste des zum Tode verurteilten „Masters“ (Eric Roberts) auf den Planeten Gallifrey bringen. Doch die Mission scheitert, die Tardis landet auf der Erde des Jahres 1999. Während der Doctor von einer Straßengang niedergeschossen wird, gelingt es dem Master, einen anderen Körper zu übernehmen. Im Krankenhaus trifft der Doctor die Ärztin Grace Holloway (Daphne Ashbrook). In seiner neuen Inkarnation (McGann) muss er die Kontrolle über die Tardis zurückgewinnen und seinen Erzfeind von einem teuflischen Plan abhalten.



Kritik


Pandastorm, das muss man dem Label wirklich lassen, gibt sich alle erdenkliche Mühe, wenn es um die schrittweise Veröffentlichung der Classic Who Ära geht. Mit der Veröffentlichung von "Doctor Who - Der Film" können sich Fans nun also endlich auch das einzige abendfüllende Abenteuer des achten Doctors, gespielt von Paul McGann, zuhause anschauen.
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Wir sind ja ein luxusverwöhntes Völkchen heutzutage. Muss zwischen zwei Staffeln einer Serie ein ganzes Jahr gewartet werden, ist das Drama vorprogrammiert. Nun, der Doctor Who Film kam 1996, nachdem die Serie bereits seit sieben Jahren von den Bildschirmen verschwunden war. Und bis New Who 2005 dann endlich den Doctor gebührend zurückbrachte, vergingen weitere neun Jahre. Mitten in dieser Pause markierte der Film den Versuch seitens BBC America, den Doctor irgendwie über den großen Teich zu bringen. Das erklärt vor allem eines: Wieso der Film stellenweise frappierend auf ein amerikanisches Publikum, falls dieses denn in dieser breiten Version existiert, zugeschnitten ist. Wäre er erfolgreich gewesen (was damals nicht der Fall war), so hätte uns möglicherweise ein Remake der Serie ins Haus gestanden. Aber hey, ungelegte Eier und so.

Der Film selbst hinterlässt, nüchtern betrachtet, gemischte Gefühle. Als Fan der Serie ist er natürlich Pflichtprogramm. Einerseits, weil Sylvester McCoy hier einen gebührenden Abschied erfährt, andererseits eben auch, weil es der einzige große Auftritt von Paul McGann ist. Zwei entgegengesetzte Pole also, und dies lässt sich als Beschreibung wohl auf den ganzen Film übertragen. So begeistern die Kulissen, allen voran natürlich die sich weg vom sterilen begebende Tardis, und auch das generelle Feeling, welches an eine gotische Kathedrale erinnert, ist stimmig und zahlt sich vor allem im Finale aus.
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Besonders im Hinblick auf den ursprünglichen Zweck, dem amerikanischen Publikum quasi hinten rum den Piloten zu einer für sie ganz neuen Serie zu liefern, wird mit der mittig stattfindenden Regenration torpediert. Es wird immer die Frage im Raum stehen, wie sich der achte Doctor entwickelt hätte, wenn er von Anfang an im Mittelpunkt gestanden hätte. Denn wenn wir ehrlich sind, dann liefert McGann einen spannenden Twist in der ikonischen Figur: Optisch ist er die Verkörperung des Byronic Hero schlechthin. Dazu kommen die typischen Züge des Doctors: Er ist clever, schlagfertig und beladen mit tragischer Hintergrundgeschichte. Immerhin spendierte Big Finish dem achten Doctor eine lange Reihe an Hörspielen. Dass er in seinem einzigen großen Auftritt allerdings nicht alleine auf der Bühne stand, finde ich persönlich schade.

Eric Roberts als Master wirkt, vor allem aus heutiger Position heraus, erschreckend eindimensional. Zahlreiche Brüche innerhalb der Serienkontinuität, unter anderem in Bezug auf seine Fähigkeiten, wirken für Fans wohl eher gewöhnungsbedürftig. Über lange Strecken wird darüber hinaus nicht immer sofort ersichtlich, wo die Geschichte eigentlich hinmöchte. Sie schlägt Haken noch und nöcher und verliert sich zwischendurch selbst aus den Augen. Hier wird beispielsweise angedeutet, dass der Doctor ein Hybrid aus Mensch und Alien ist. Genauer darauf eingegangen wird aber nicht. 
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Und dennoch finden sich in diesem Film exakt all die Elemente, die den Doctor ausmachen. Die Neugierde eines Aliens, immer Neues zu entdecken und allem und jedem erst einmal aufgeschlossen gegenüberzustehen. Die Motivation, das Richtige zu tun. Diese Cleverness, die den Doctor ausmacht. Leider auch das Flachhalten des Companions, so wie es später Martha und über weite Strecken auch Clara erfahren sollten. Mit der Beziehung zwischen Doctor Who und den USA sollte es erst irgendwann nach 2005 in der New Who Ära klappen. In vielerlei Hinsicht lieferte der Film aber Einflüsse, die sich später wiederfinden sollten (man betrachte nur das Intro schon mal genauer). Wer ihn also noch nicht kennt oder noch nicht in seiner Sammlung hat, der ist mit der nun erscheinenden Version bestmöglich bedient.  

Fazit


Für Fans des Doctors führt kaum ein Weg am Film vorbei, und in der aktuellen Version von Pandastorm hat gleich noch das Sammlerherz Freude an der ganzen Sache. Paul McGann ist ein herrlich sympathischer Doctor und tröstet galant darüber hinweg, dass der Film erstmals den britischen Charme des Doctors mit einem fetten, amerikanischen Einschlag verwässert. Humor und genug Spannung gibt es aber trotzdem, und so gehen die knapp 90 Minuten schön kurzweilig über die Bühne.

Die DVD


Neben dem (mittlerweile ausverkauften) Mediabook und einer Blu-ray, welche eine Upscale-Version des Films liefert (das originale Material ist vermutlich irgendwo verloren gegangen, deswegen ist technisch leider nicht mehr drin), macht wohl der Kauf des Films auf DVD am meisten Sinn. Die reguläre DVD sowie Blu-ray ist ab dem 31. März 2017 im Handel erhältlich. Sowohl der Pappschuber, als auch das darin befindliche Amaray-Keepcase kommen Logofrei bzw. mit Wendecover daher. Im Inneren befinden sich zwei DVDs sowie ein kleines Booklet mit Briefen einiger Darsteller und nützlichen Infos zum Film. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur kommen in Dolby Digital 2.0 ins Haus, beide können sich hören lassen. Auch das Bild ist absolut in Ordnung, hier wurde aus dem vorhandenen Material wirklich das Beste herausgeholt. Neben dem Film warten ganze fünf Stunden mit Bonusmaterial darauf, entdeckt zu werden. Die Disc, auf der sich der Film befindet, kommt mit zahlreichen Audiokommentaren und einigen Featurettes daher. Mein persönliches Highlight ist die Mini-Episode "The Night of the Doctor", die anlässlich des 50. Geburtstages des Doctors produziert wurde und Paul McGann endlich einen weiteren Auftritt im TV ermöglichte. Die zweite Disc bietet eine Fundgrube an stimmigen Bonusmaterialien. Egal ob "Doctor Who in den Nachrichten", Dokus über die lange Pause, welche die Serie einlegte oder genauere Einblicke in die Arbeit vor und hinter der Kamera, hier dürfte selbst der neugierigste Fan auf seine Kosten kommen.

Infos zum Film


Originaltitel: Doctor Who - The Movie
Erscheinungsjahr: 1996
Genre: Sci-Fi
FSK: 12
Laufzeit: 86 Minuten
Regie: Geoffrey Sax / Matthew Jacobs / Peter V. Ware
Drehbuch: Geoffrey Sax / Matthew Jacobs / Peter V. Ware
Darsteller: Paul McGann, Sylvester McCoy, Daphne Ashbrook, Yee Jee Tso, Eric Roberts,
John Novak, Michael David Simms u.a.
 

Trailer

 

 

1 Kommentar:

  1. Dank BigFinish und ihren Hörspielen dürfen wir Paul McGanns Großartigkeit Doctor erleben.
    Und mein Problem mit dem Film ist, dass er mir irgendwie zu 90er ist. Deswegen hab ich es bisher noch nicht geschafft ihn seit Jahren (hab die BBC-DVD) fertig zu schauen.

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