gesehen: Voice from the Stone


© Ascot Elite


Story


Das toskanische Landhaus, in dem Verena ihre neue Stelle antritt, ist ein uraltes Gemäuer voller Erinnerungen und Geheimnisse. Hier soll sich die Kinderpflegerin um Jakob kümmern, der seit dem plötzlichen Tod seiner Mutter stumm ist. Oft lauscht der Junge an den Steinen, die mit ihm zu flüstern scheinen. Verena hält das zunächst für eine Erscheinung seiner grossen Trauer, doch dann hört sie selbst die gespenstische Stimme …


Kritik


Mit "Voice from the Stone" schickt Regisseur Eric D. Howell sich an, das sträflich vernachlässigte Gothic-Horror Genre wieder aufleben zu lassen. Leider, und mir persönlich tut das in der Seele weh, bleibt es aber zu großen Teilen beim Versuch.
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Das liegt keinesfall an der Ausstattung des Films oder auch der generellen Atmosphäre. Die Kulisse, ein altes Anwesen in der Toskana, ist herrlich eindrücklich. Nebelschwaden ziehen über die weitläufigen Wiesen, es gibt zahllose Räume voller Geheimnisse zu entdecken. Auch die Außenkulissen überzeugen, besonders ein verwunschen wirkender, teils überfluteter Steinbruch übt eine fast schon magische Anziehungskraft auf den Zuschauer aus. Zahlreiche Kernelemente aus der Gothic-Literatur lassen sich erkennen: Eine Frau in einem alten Gemäuer, eine Geschichte mit gruseligem Hintergrund ... Die Einrichtung des Films erweist sich dann auch als zuverlässiger, begleitender Erzähler und lässt tiefer in die einzelnen Figuren blicken, als Dialoge es vermitteln könnten. Die Kamera, in der sicheren Hand von Peter Simonite, lässt sich Zeit, ihre Umgebung fast schon lüstern zu erfassen.

Doch da hört es leider auch schon wieder auf. Zwar ist Edward Dring ein recht talentierter, junger Darsteller und schafft es, Jakob wirklich beunruhigend zu spielen. Und Marton Csokas brilliert als eingeheirateter Künstler in die Aristokratie mit bissiger Ambivalenz und unklaren Motiven. Doch die Hauptlast liegt auf den Schultern von Emilia Clarke, und sie vermag diese nicht wirklich zu tragen. Ihre Mimik bleibt hölzern, ihr Lächeln wirkt oft grenzdebil und vollkommen deplatziert. Als Figur ist sie außerdem nicht sonderlich spannend geschrieben, ein Fehler, der leicht hätte vermieden werden können. Ihre Erzieherin ist nervig und redundant, und ein Mitfiebern gestaltet sich so im letzten Teil des Films schwierig. Eine Beziehung zu irgendeiner der Figuren will partout nicht aufkommen.
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Auch im Drehbuch machen sich schnell Ungereimtheiten bemerkbar. So fällt es der Geschichte unendlich schwer, sich zwischen Romanze, Grusel und Drama zu entscheiden. Beim Versuch, auf allen Stühlen gleichzeitig zu sitzen, fällt sie dann in die Zwischenräume. Ins Horrorgenre driftet der Film niemals ab, die vollkommene Absenz von Blut und Splatter ist zumindest erfreulich. Doch Spannung baut sich hier kaum auf, und eine aus dem Nichts eingestreute, völlig irrationale Liebesgeschichte hilft auch nicht unbedingt weiter. Zwar gehört das Sinnbild des sexuellen Erwachens zum Gothic Genre, doch gänzlich ohne Aufbau zündet dieser Funke so gar nicht. Die Spannungskurve bleibt über die 90 Minuten Spielzeit eher eine Gerade. Hübsch anzusehen ist sie aber allemal.

Fazit


Atmosphäre und vor allem die Einrichtung des Films atmen durch und durch das Gefühl der alten Gothic-Horror-Klassiker. Leider bleiben aber sowohl Geschichte als auch die Darsteller meilenweit hinter der Ausstattung zurück, und so entwickelt sich ausser hübsch anzusehender Kulissen hier nur Langeweile. 

Infos zum Film


Originaltitel: Voice from the Stone
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Horror, Gothic, Drama
FSK: 12
Laufzeit: 91 Minuten
Regie: Eric D. Howell
Drehbuch: Silvio Raffo, Andrew Shaw
Darsteller: Emilia Clarke, Marton Csokas, Edward Dring, Caterina Murino u.a. 

Trailer

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